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- 3.2 – Raumnutzung und Raumnutzungskonflikte
3.2 – Raumnutzung und Raumnutzungskonflikte
Die Ressource Raum ist begrenzt. Insbesondere in dicht besiedelten Regionen kommt es daher häufig zu konkurrierenden Nutzungsansprüchen. Diese Konflikte können sich entweder auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken, zum Beispiel auf die Rohstoffförderung, die Verkehrsanbindung oder die Industrieentwicklung. Oder sie beeinflussen die Lebensumwelt der Bevölkerung, zum Beispiel beim Wohnen oder dem Tourismus.
Um diese Nutzungskonflikte zu lösen, entwickeln Entscheidungsträger verschiedene raum- und landesplanerische Einstufungen der Nutzungskategorien. Es ist Aufgabe der Raum- und Landesplanung, die verschiedenen Nutzungsansprüche abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, die in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern unterschiedlich aussehen. Entwicklungs- und Schwellenländer haben zudem ganz spezifische Landnutzungs- und Stadtentwicklungsprobleme. Viele Megastädte lassen sich kaum noch regieren oder steuern, große Flächen werden unreguliert bebaut.
Begrenzter Raum und Nutzungskonflikte
Weltweit prägen tiefgreifende und teilweise gegenläufige Trends die aktuellen Urbanisierungprozesse sowie die ländliche Regionalentwicklung in den Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Wachstumsregionen mit anhaltender Landflucht oder Stadtattraktion stehen zunehmend Regionen mit stagnierender oder rückläufiger Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung gegenüber. Diese unterschiedlichen Transformationsprozesse erfordern spezifische Konzepte, um Flächen- und Ressourcennutzung nachhaltig zu gestalten.
Wachstums- und Schrumpfungsprozesse
Unterschiedliche Konzepte von Raumplanung und Flächenmanagement zielen auf die Entwicklung einer nachhaltigen Flächennutzung, die einen effizienten und sparsamen Umgang mit der Ressource Fläche gewährleisten und dabei zugleich den Bedürfnissen unterschiedlicher Volkswirtschaften und Bevölkerungsgruppen gerecht werden soll.
Ressource Fläche
Megastädte, das heißt Metropolen mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, sind neue Phänomene der weltweiten Urbanisierung, die immer mehr an Bedeutung gewinnen als Knotenpunkte von Globalisierungsprozessen und Steuerungszentralen einer zunehmend von Städten dominierten Welt. Angesichts großer ökonomischer Dynamik und hoher Zuwanderungszahlen müssen oft innerhalb weniger Jahre ausreichende Ressourcen, Wohnraum, Infrastruktur, Arbeitsplätze, Ver- und Entsorgungssysteme sowie Gesundheits- und Bildungseinrichtungen für Hunderttausende von Menschen bereitgestellt werden.
Megastädte
Zu den wichtigsten Herausforderungen der Grundlagen- und angewandten geographischen Forschung gehören die Gewinnung vertiefter Erkenntnisse zur hohen Entwicklungsdynamik und zu den hochkomplexen Wechselwirkungen der verschiedenartigsten ökologischen, ökonomischen, sozialen und politischen Prozesse mit vielfältigen, sich zum Teil selbst verstärkenden Beschleunigungs- und Rückkopplungseffekten. Mit Hilfe von Entscheidungsunterstützungssystemen lassen sich zum Beispiel technische Innovationen in Megastädten verwirklichen und effizienter in vorhandene Strukturen integrieren (wie etwa Transportsysteme, Prozessinnovationen, partizipatorische Flächennutzung), vor allem aber sind spezielle Steuerungskonzepte für eine nachhaltige Entwicklung der Megastädte zu erstellen.
Angesichts einer bisher überwiegend flächennutzungs- und infrastrukturorientierten Planung, die in den Industriestaaten inzwischen als unzureichend für eine effiziente Steuerung angesehen werden, findet derzeit ein Perspektivenwechsel hin zu stärkerer Berücksichtigung der zahlreichen Akteure und deren Motive statt. Dies impliziert ein vertieftes Verständnis der vielschichtigen Einflussfaktoren (“multi-level driving forces“) und ihrer Verknüpfungen. Nur über verändertes öffentliches Bewusstsein und erweiterte Partizipation, die integraler Bestandteil moderner Stadtentwicklung sind, können eine Stärkung der sozialen Kohärenz, lokalen Identität und zugleich wachsende Verantwortlichkeit („responsibility and ownership“) zivilgesellschaftlicher Netzwerke und Institutionen erreicht werden.
Wissenschaftliche Herausforderungen
Drängende Zukunftsthemen der Urbanisierungs- und Megastadtforschung liegen aus Sicht der Geowissenschaften vor allem im Folgenden:
- Untersuchung der Dynamik der Stoff-, Ressourcen-, Migrations- und Verkehrsströme unter besonderer Berücksichtigung der Nachhaltigkeit
- Studium der innerurbanen Siedlungsdynamik (Flächennutzungsdynamik und Konstruktionszyklen) unter Einschluss von Prozessen und Einflussfaktoren urbaner Ökonomie
- Regierbarkeit, Management und Steuerungsfähigkeit von Megastädten im Zuge zunehmender Besiedlung und Nutzung von Georessourcen
- Auswirkungen von Luft- und Wasserverschmutzung sowie Verkehrs- und Siedlungsdichte in Ballungsräumen auf Umweltgesundheit und Lebensqualität
- Feststellung natürlicher und anthropogener Risiken und Entwicklung von Bewältigungsstrategien (inkl. Sicherheits- und Sicherungsfragen).
